
Ohne Papiere keine Aufenthaltsgenehmigung - ohne Aufenthaltsgenehmigung keine Papiere. (Foto: aus dem Film "Wie ein Fremder")
Kino im Schauspielhaus. Sicher nicht nur für den Hausherrn und Jurymitglied Kay Voges eine neue Erfahrung, dennoch ging alles reibungslos über die Bühne. In der Jury saßen neben Kay Voges, Katy Karrenbauer, Jörg Buttgereit, Markus Knüfken und Wilson Gonzales Ochensenknecht. Mal mehr mal weniger flüssig, doch mit einer gewissen Leichtigkeit moderierten Lukas Klumpe und David Flaßkamp den Abend. Nachdem Oberbürgermeister Ullrich Sierau mit einer launigen Rede den Startschuss gegeben hatte, folgten die zehn Filme.
Wer befürchtet hatte, mit amateurhaft heruntergekurbelten Produktionen oder allzu künstlerischen Experimentalfilmen konfrontiert zu werden, konnte sich entspannt zurücklehnen: Alle Filme waren auf einem qualitativ hohen Standard und dank der Themenbandbreite kam in den Zuschauerlängen kaum Langeweile auf. Viele Filme waren – soweit der Verfasser dieser Zeilen sich erinnern kann – Abschlussarbeiten von Filmhochschulen. Eigentlich sollte die Zukunft des deutschen Films mit diesen Regisseurinnen und Regisseuren gesichert sein.
Einen Sonderpreis gab es zum 50. Jubiläum von Amnesty International, der XXS Filmpreis für Menschenrechte). Gewonnen hat Film „Raju“, der sich mit der Thematik von Adoptionen von Kindern aus Dritte Weltländern befasst. Besonders hervorgeben wurde bei der Laudatio, dass der Film das klassischen Schwarz-Weiß-Schema bedient, sondern die Problematik vielschichtig erzählt.
Auch der Siegerfilm der Jury „Der Fremde in mir“ ist ein „Menschenrechtsfilm“. Hier geht es um die Sorgen und Nöte von Menschen, die ohne Papiere in Deutschland nur geduldet sind und jederzeit ihre Abschiebung befürchten müssen. Auch in diesem Film wird die grobe Moralkeule nicht gezückt.
Dass Animationsfilme aus Deutschland mit österreichischem „Slang“ in Dortmund aufs Treppchen kommen können, zeigte „Der Besuch“. Respekt für Conrad Tambour für den Mut, die Themen Alter und Demenz in animierter Form anzuschneiden.
Auf der Beerdigung ihrer bewunderten Schwester eskaliert die Beziehung zwischen der dominanten Mutter und der von ihr verachteten Tochter. Der Film „Die wundersame Auferstehung der Elle Hansemüller“ von Anne Zohra Barrached zeigt, welche Folgen seelische Grausamkeit und religiöse Bigotterie haben können.
Der Film „Souterrain“ von Erwin Häcker würde sicherlich auch der Dortmunder Krimiautorinnengruppe „Bloody Marys“ gefallen. Hitchcock-artige Spannung, Reminiszenzen an den film noire und überraschende Wendungen: Alles was ein guter Thriller braucht. Klein Wunder, dass er den Publikumspreis bekam.
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